Gedenkstättenfahrt nach Weimar und in das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald
Gedenkstättenfahrt nach Weimar und Buchenwald
„Was geht mich die Geschichte an?“
Vom 23. bis 26. März unternahmen Schülerinnen und Schüler der Realschule Grünstraße eine Gedenkstättenfahrt nach Weimar und zur Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald. Ziel der viertägigen Exkursion war es, sich intensiv mit der Zeit des Nationalsozialismus – insbesondere mit Verfolgung, Zwangsarbeit, Lagerhaft und Erinnerungskultur – auseinanderzusetzen.
An der Fahrt nahmen insgesamt 19 freiwillige Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 und 10 teil. Begleitet wurde die Gruppe von Frau Nockemann, Herrn Heilinger, Herrn Maack sowie Dorian Klinner als externem Begleiter. Bereits im Vorfeld wurden die Teilnehmenden an einem Blocktag intensiv vorbereitet. Dabei wurde historisches Wissen gemeinsam erarbeitet und die Schülerinnen und Schüler planten partizipativ kreative Projektarbeiten, die vor Ort umgesetzt werden sollten.
Montag – Demokratie, Weimar und Geschichte
Am Montag reiste die Gruppe mit dem Deutschlandticket nach Weimar und bezog das Art Hotel Weimar. Anschließend leitete Florian Klinner einen Workshop zum Thema Demokratie:
Was bedeutet Demokratie für uns – und wie können wir sie schützen?
Im Anschluss erkundeten die Schülerinnen und Schüler während einer Stadtführung die Spannungen zwischen:
dem humanistischen Erbe der Weimarer Klassik
(Goethe, Schiller, Herder und Wieland)und der späteren nationalsozialistischen Instrumentalisierung Weimars
(z. B. Hitler auf dem Balkon des Hotel Elephant)
Dienstag – Besuch der Gedenkstätte Buchenwald
Am Dienstag führte der Weg erstmals zur Gedenkstätte Buchenwald. Die Gruppe lief den historischen Gedenkweg der ehemaligen Buchenwaldbahn hinauf. Entlang des Weges erinnern individuell gestaltete Gedenksteine an minderjährige Opfer des Konzentrationslagers und seiner Außenlager.
Während einer dreistündigen Führung erhielten die Teilnehmenden eindrucksvolle Einblicke in:
die Organisation des Konzentrationslagers
das Leben und Leiden der Häftlinge
die historischen Hintergründe des Ortes
Die original erhaltenen Gebäude, persönliche Berichte und historischen Dokumente machten die Geschichte greifbar und hinterließen bei vielen einen nachhaltigen Eindruck.
Im Anschluss arbeiteten die Schülerinnen und Schüler eigenständig in der Dauerausstellung an ihren Projekten weiter.
Mittwoch – Zwangsarbeit, Gedenken und Erinnerungskultur
Der Mittwoch begann mit einem Besuch des Museums Zwangsarbeit im Nationalsozialismus in Weimar. Dort vertieften die Teilnehmenden ihr Wissen über die systematische Ausbeutung von Millionen Menschen während der NS-Zeit.
Besonders bewegend waren die Einzelschicksale ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die oftmals selbst Jahrzehnte nach Kriegsende kaum oder keine Wiedergutmachung erhalten hatten.
Anschließend kehrte die Gruppe erneut nach Buchenwald zurück. Dort fand eine gemeinsame Gedenkfeier statt:
Ein Moment der Stille, des Innehaltens und des gemeinsamen Erinnerns.
Darüber hinaus setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Formen der Erinnerungskultur auseinander, unter anderem:
dem 1958 in der DDR errichteten Mahnmal
der Open-Air-Ausstellung „Die Zeugen“
Kreative Projektarbeiten
Im Verlauf der Fahrt reflektierten die Schülerinnen und Schüler ihre Eindrücke in Gesprächen und Gruppenarbeiten. Die Erfahrungen wurden anschließend kreativ verarbeitet.
Es entstanden unter anderem:
eine Fotoshow zum Thema
„Weimar früher und heute“verschiedene Bildbände mit eigenen Fotografien und Texten
ein „Pixi-Buch“ über die Geschichte eines inhaftierten Vaters und seines Sohnes
Skizzenbücher mit Zeichnungen und persönlichen Eindrücken
Die Projektarbeiten wurden am Freitag, den 24.04., in der Schule vorgestellt.
Erinnerungslernen als Teil der Schulkultur
Die Fahrt zeigte eindrücklich, wie wichtig eine aktive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist. Die Kombination aus:
historischer Wissensvermittlung
persönlichem Erleben
kreativer Verarbeitung
ermöglichte den Schülerinnen und Schülern einen nachhaltigen Zugang zur Geschichte.
Geplant ist, die Gedenkstättenfahrt dauerhaft im Fahrtenkonzept der Realschule Grünstraße zu verankern, sodass künftig jährlich freiwillige Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 9 und 10 teilnehmen können.
Erinnerungslernen ist bereits seit vielen Jahren ein fester Bestandteil der Schulkultur. Dazu gehören unter anderem:
das Stolpersteinputzen am 9. November
die Amsterdam-Fahrten der Jahrgangsstufe 10
Aktionen und Zeremonien zum Holocaustgedenktag
Fahrten zur Gedenkstätte Ravensbrück
die Ausstellung „Bibliothek der geretteten Erinnerungen“
Forschungsarbeiten zur Silberschmiedin Emmy Roth
Der „Schwur von Buchenwald“ – und unsere Gegenwart
Die Fahrt beeinflusste auch den Blick auf aktuelle Ereignisse und Berichterstattung.
So nahmen die Teilnehmenden beispielsweise die Rede von Hape Kerkeling zur 81. Befreiung des Lagers Buchenwald ganz anders wahr, weil sie die Gedenkstätte selbst kurz zuvor besucht hatten.
In Buchenwald lernten die Schülerinnen und Schüler außerdem den historischen „Schwur von Buchenwald“ kennen:
„Die endgültige Zerschmetterung des Nazismus ist unsere Losung.
Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ideal.“
Auch die Schülerinnen und Schüler formulierten vor Ort ihre eigenen Gedanken und Werte in Briefen an ihr zukünftiges Ich – gewissermaßen ein:
„Schwur von Buchenwald aus dem Jahr 2026“
Die Briefe sollen zu Beginn des kommenden Schuljahres verschickt werden.
Dank und Unterstützung
Die Durchführung der Gedenkstättenfahrt wurde durch zahlreiche Unterstützer ermöglicht. Dafür danken wir herzlich:
dem Freizeitwerk Welper
dem Land NRW
dem Kinder- und Jugendplan des Bundes
dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend
dem IBB Dortmund
der Bethe-Stiftung
dem Förderverein der Realschule Grünstraße
Judith Nockemann
Karsten Heilinger
Jörg Maack
